In Chiuro ist der Übergang zwischen dem Weinkeller – als physischen Produktionsort – und menschlichen Angelegenheiten fließend. Besonders wenn man daran erinnert, dass während des zweiten Weltkriegs das Gebäude, in dem sich die Kellereien von Rainoldi befinden, von Nazitruppen besetzt war und dass der eigentliche Weinkeller der Zufluchtsort für die gesamte Familie war. Und heute noch hat dieser Ort eine ganz besondere Bedeutung: Es ist nicht nur der Ort, an dem die Weinfässer ruhen, es ist vor allen Dingen das Haus der Familie.

Man schreitet über die antike Steintreppe und geht durch das alte Holztor vor der „farmacia dei sani” (Apotheke der Gesunden) - das bedeutet, einen Teil des Unternehmens zu entdecken, das sich viele nicht mehr vorstellen können. Die lange Reihe von Fässern, das regelmäßige Aufeinanderfolgen von kleinen Eichenfässern und die geometrische Genauigkeit der Körbe voller gestapelter Flaschen bieten einen grundlegenden Ausblick und verdeutlichen, wie wichtig die Zeit für diese Weine ist.


Eine Besonderheit und ein Vorzug des Weinkellers in Chiuro ist die geringe Temperaturschwankung zwischen dem kältesten Zeitpunkt im Winter (11°-12° C) und dem wärmsten Zeitpunkt im Sommer (18°-19°). Diese außerordentliche natürliche Wärmebeständigkeit lässt sich auf zwei Haupteigenschaften zurückführen: Das Gebäude ist komplett aus Stein gebaut und hat sehr dicke Wände (die Außermauern sind mehr als einen Meter dick) und der Keller befindet sich komplett unter der Erde. Es besteht keinerlei Energiebedarf für eine Klimatisierung oder Belüftung. Es reicht vollkommen aus, Lüftungsschlitze zu öffnen oder zu schließen.



Und genau im Keller bestätigt sich der Sinn des Slogans „Wein als Kultur“ in der bereits erwähnten „farmacia dei sani”, anfangs ein für die Veredelung bestimmtes Becken und jetzt ein Aufbewahrungsort für die besten, großformatigen Riserve. Gleiches gilt für das sogenannte Infernot, das voll mit Holzkisten mit Weinen ist, die die Geschichte des Unternehmens geschrieben haben.
Giuseppe Rainoldi beteuert nämlich oft, dass man die Vergangenheit kennen muss, um die Zukunft deuten zu können: „Die alten Jahrgänge sind wichtig, um die Arbeit der vorherigen Weinlesen zu überprüfen. Aber noch vielmehr helfen sie uns, die enormen Möglichkeiten dieser Weine im Zeitverlauf besser zu verdeutlichen.”





Aus diesem Grunde wurden zwei Probierstuben geschaffen. Die eindrucksvollste Probierstube ist die in der Nähe des Fasslagers. Sie ist vollständig aus Stein geschaffen und verfügt über ein Deckengewölbe. Die Einrichtungsgegenstände sind aus Fassdauben aus Kastanienholz gefertigt. Die zweite Probierstube für größere Gruppen befindet sich im darüber liegenden Geschoss neben dem Ausstellungsraum, in dem nach der Verkostung der Verkauf der Weine des Unternehmens stattfindet.

Wenn die Jahreszeit es zulässt und auch nur zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember können die beiden sogenannten Obstlager besichtigt werden: Jenes von Chiuro und das Ca' Rizzieri in circa einem Kilometer Entfernung vom Firmensitz.